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Sommaire
Couverture Biographie Carte et Photos 1 Der erste Ferientag2 Schlechte Nachrichten?3 Kennenlernen4 Engel oder Teufel?5 Stadt-Rallye in München6 Die Maske fällt7 Die Wahrheit8 Eine unerwartete Begegnung
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Polices
Endlich Sommer, endlich Ferien, endlich einmal gar nichts machen! Die 9. Klasse war am Ende nur noch anstrengend, seit der Mobbing-Geschichte mit Niels konnte ich es nicht mehr erwarten, dass das Schuljahr vorbei ist. Ich hatte überhaupt keine Lust mehr aufs Gymnasium, auch wenn ich dort immer gern meine Freunde treffe. Selten habe ich mich auf die Sommerferien so gefreut wie dieses Jahr: Sechs Wochen Pause, das Paradies in Endlosschleife!
Enfin l’été, enfin les vacances ! En fait, j’ai juste envie de ne rien faire du tout. La classe de troisième a été particulièrement difficile sur la fin, et depuis cette histoire de harcèlement, j'avais hâte que cette année scolaire se termine. Je n’avais vraiment plus aucune motivation pour le lycée, même si j’aime bien encore y retrouver mes amis. C’est rare que j’attende les vacances d’été avec une telle impatienc,e mais là, ces six semaines de pause s’annoncent comme un moment de bonheur sans fin. 
 Wir sollten eigentlich ins Zeltlager gehen, aber letzte Woche kam die Absage: Wegen einer Überschwemmung ist der Platz immer noch unbenutzbar. Das bedeutet, dass wir erst mal zu Hause bleiben, meine Eltern haben nämlich noch keinen Urlaub. Aber ehrlich gesagt gibt es Schlimmeres, ich bin gern hier in Düsseldorf. Wir haben ein schönes Haus mit Garten, und ein Freibad  gibt es schließlich auch. Wenn das Wetter gut ist, fühlt man sich dort auch ein bisschen wie im Urlaub. Das einzige Problem am Zuhausebleiben ist meine kleine Schwester Astrid. „Wie toll, nur zwei Jahre Unterschied“, sagen die Leute immer, „da versteht ihr euch bestimmt super!“ Ja, wirklich toll. Vor allem, wenn sie in meinen Sachen herumstöbert und heimlich meine Klamotten anzieht.
Gleich heute, am ersten Ferientag, hat sie wieder angefangen mich zu nerven. Wie immer ist sie früher aufgestanden als ich und hat einen Haufen Sachen gefrühstückt: Butterbrot mit Schinken, ein weich gekochtes Ei, dann noch eine kleine Schale Müsli mit Erdbeeren. Das Frühstück ist für Astrid die wichtigste Mahlzeit. Vom Bett aus habe ich sie laut lachen und mit Mama reden hören. Früh am Morgen ist sie immer sehr kommunikativ und hat hundert Geschichten zu erzählen – ganz im Gegensatz zu mir. Ich habe nämlich samstagmorgens vor allem Lust zu schlafen. Irgendwann hat Mama dann keine Zeit mehr, weil sie an den Computer muss. Astrid fängt also an, nervös vor meiner Zimmertür herumzuschleichen. Ganz klar: Sie braucht jemanden zum Reden. Als ich schließlich aufstehe und mit verschlafenen Augen die Tür öffne, platzt es gleich aus ihr heraus.
Rien qu’aujourd’hui, premier jour des vacances, elle a commencé à me fatiguer. Comme d’habitude, elle s’est réveillée plus tôt que moi et elle a pris un petit-déjeuner digne de ce nom : des tartines de beurre avec du jambon, un œuf à la coque, un petit bol de müesli avec des fraises. Pour Astrid, le petit-déjeuner est le meilleur repas. Depuis mon lit je l’ai entendue rire fort et discuter avec maman. Tôt le matin déjà, elle parle beaucoup, et a des tas de choses à raconter – tout le contraire de moi. Moi, le samedi matin, j’ai juste envie de dormir. Et comme à un moment, maman n’a plus de temps à lui consacrer et doit se mettre à l’ordinateur, elle commence à roder autour de ma chambre. C'est clair et net, elle a besoin de quelqu’un pour papoter. Lorsque je me lève enfin et que j'ouvre la porte, les yeux encore plein de sommeil, elle lâche tout de suite :
„Spielen wir heute Tennis, Elisa? Oder gehen wir lieber shoppen? Wir könnten auch einen Kuchen backen oder ...“ „Jetzt halt mal die Luft an!“, falle ich ihr ins Wort. Wie immer, wenn Astrid am Samstagmorgen etwas von mir will, ich wimmele sie ab ich sie nur genervt ab. „Keine Ahnung, was wir heute machen. Lass mich erstmal in Ruhe aufstehen und frühstücken, und zwar alleine. Ich melde mich bei dir, wenn ich weiß, was ich wann machen möchte!“
Astrid war schon immer ein Energiebündel. „Mein Duracell-Hase“, sagt meine Tante Lili immer, und das trifft es tatsächlich gut, denn irgendwie scheint sie nie müde zu werden. Natürlich ist es nicht ihre Schuld, dass sie so anstrengend ist, sie kann scheinbar nicht anders. Einerseits kann sie tierisch nerven, andererseits aber auch sehr großzügig sein. Im letzten Sommer ist mir das zum ersten Mal richtig klar geworden, es war an ihrem dreizehnten Geburtstag. Wie immer hatte sie einen Haufen Sachen bekommen und war total aus dem Häuschen: Eine Freundin hat ihr das ganze Arsenal an Harry Potter-Goodies geschenkt. Wir haben übrigens beide jeweils mit zwölf Jahren sämtliche Harry-Potter-Bände regelrecht verschlungen, und ich bin selbst heute noch verrückt danach.
Astrid a toujours été une boule d’énergie. « Mon lapin Duracell », c’est comme ça que ma tante Lili l’appelle, et ça lui correspond bien car nous avons tous l’impression qu’elle n’est jamais fatiguée. Evidemment elle ne peut rien au fait d’être aussi pénible, apparemment elle ne sait pas faire autrement. D’un côté, elle peut vraiment être méga énervante mais d’un autre côté elle a le cœur sur la main. C’est l’été dernier à son 13e anniversaire que j’ai vraiment pris conscience de sa générosité. Comme d’habitude elle avait reçu une tonne de cadeaux et était dans tous ses états, une copine lui avait en effet offert toute la panoplie des goodies d’Harry Potter. D’ailleurs, à douze ans, nous avions littéralement dévoré toutes les deux les volumes d’Harry Potter et aujourd’hui je suis encore fan.
Die Filme kennen wir alle auswendig und in unseren Zimmern hängen Plakate und J.K. Rowling-Postkarten an der Wand. Normalerweise finde ich es schön, diese Leidenschaft zu teilen, aber an dem Abend konnte ich es einfach nicht ertragen: Sie war das Geburtstagskind und würde mit neuen Sachen überhäuft, und als sie dann ihre Geschenke wie auf einem Triumphzug auch noch der ganzen Familie präsentierte, wurde es mir zu viel. Unter dem ganzen geschenkten Kram war nämlich auch ein kleiner, eigentlich unbedeutender Schlüsselanhänger mit einer Miniatur von Hermione Granger. Den wollte ich unbedingt haben, weil er so niedlich war. Es war aber nun mal ihr Geschenk und das musste ich akzeptieren. Ich war schließlich kein Baby mehr!
Trotzdem war ich sauer und alle konnten es sehen. Während des Abendessens sagte ich kein Wort. Danach erlebte ich allerdings eine kleine Überraschung: Astrid hatte genau gespürt, wie unglücklich ich war, und es hatte sie traurig gemacht. Als wir mit dem Nachtisch fertig waren, kam sie zu mir und fragte mich, was ich haben wollte, ich könne mir eines ihrer Geschenke aussuchen. Einfach so. Da war ich ganz schön perplex. So ist meine Schwester. Sie nervt mich, und dennoch habe ich sie einfach nur lieb.
Pour autant, j’étais dégoûtée et je ne m’en cachais pas. Pendant le repas, je restai silencieuse. C’est après que j’eus droit à une belle surprise : Astrid avait bien ressenti ma frustration et ça l’avait rendue triste. Lorsque tout le monde eut fini son dessert, elle vint vers moi et me demanda ce que j’aimerais avoir, je pouvais choisir un de ses cadeaux. Tout simplement. J’étais perplexe. Elle est comme ça ma sœur, elle m’énerve et pourtant je tiens vraiment à elle.
Jetzt sitze ich also am Tisch und warte darauf, dass meine Laune besser wird. Während Astrid es liebt zu frühstücken, mache ich mir nicht besonders viel daraus. Manchmal esse ich morgens gar nichts oder wenn überhaupt, dann etwas Süßes, so wie die Franzosen. Ich muss an letztes Jahr denken, als wir zu Papas Kindheitsfreund gefahren sind. Jürgen lebt seit Jahren in der Bretagne: Er hat eine Französin geheiratet und arbeitet als Deutschlehrer an einer Schule, die mit meinem Gymnasium einen regelmäßigen Austausch organisiert. Ich kenne die Gegend daher ziemlich gut, ich fahre nämlich nicht nur mit meinen Eltern regelmäßig hin, sondern war auch schon zweimal mit der Schule dort, mit meinen „genialen“ Französisch-Lehrern. Ein bisschen ärgerlich ist es schon, dass ich immer solche Langweiler als Lehrer habe, wahrscheinlich konnte ich mich deswegen nie richtig für die Sprache begeistern. Was ich aber wirklich sehr gerne mag, ist die Kultur der Franzosen, vor allem am Morgen an der Nordwestküste.
Dort gibt es nämlich jeden Tag Baguette mit Salzbutter-Karamellcreme zum Draufschmieren, super lecker! Die Gläser, die wir beim letzten Mal mitgebracht haben, sind aber leider schon alle leer. Auch sonst steht nichts auf dem Tisch, worauf ich Lust hätte, so dass ich das Frühstück wohl mal wieder ausfallen lasse. Astrid ist in ihr Zimmer verschwunden, wahrscheinlich schaut sie ein Video. Ich nehme mir mein Buch von der Ablage, "Tschick" von Wolfgang Herrndorf. Meine Mutter nutzt diesen Augenblick, um mich anzusprechen.
Tous les jours, on se régale de morceaux de pain sur lesquels on tartine de la crème caramel au beurre salé et j’adore ça ! Malheureusement les pots que nous avions ramenés la dernière fois ont tous été finis. Comme il n’y a rien sur la table qui me donne envie, je vais laisser encore tomber pour cette fois le petit-déjeuner. Astrid a disparu dans sa chambre, elle regarde sûrement une vidéo. Je prends mon livre « Tschick » et me lève de table. Maman saute sur cette occasion pour me parler :
„Willst du nichts frühstücken, mein Schatz? Du weißt doch, dass ich es nicht mag, wenn du erst kurz vor dem Mittagessen etwas isst. Jetzt nimm doch wenigstens eine Banane und ein paar Nüsse, das ist gesund! Wir haben übrigens Glück, ich habe eine Lösung für die nächsten Wochen gefunden.“ Sie sieht mich geheimnistuerisch an und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wenn du schön brav frühstückst, verrate ich es dir!“
Irgendwie habe ich auf einmal Lust, mir noch mehr Zeit zu lassen. Bei meiner Mutter weiß man nie, was gleich passiert. Sie ist fast genauso hyperaktiv und anstrengend wie Astrid, immer wieder kommt sie mit neuen Ideen. Was sie jetzt wohl schon wieder vorhat? Ehrlich gesagt brauche ich gar keine „Lösung“, ich finde die Perspektive eigentlich ziemlich gut, die nächsten Tage meine Ruhe zu haben. Nur Mama meint immer, dass man ständig neue Herausforderungen braucht. Ich will aber nicht sofort auf ihre Ankündigung reagieren.
D’un coup, j’ai comme qui dirait envie de prendre encore plus mon temps. Avec ma mère, on ne peut jamais savoir ce qui va se passer. Elle est plutôt du genre hyperactif et elle peut être parfois aussi épuisante qu’Astrid lorsqu’elle débarque toujours avec de nouvelles propositions. Qu’est-ce qu’elle peut bien avoir comme idée encore ? En fait, je n’ai pas besoin de « solution », la perspective de rester les prochains jours tranquillement à la maison me convient tout à fait. Il n’y a que maman qui pense que nous avons toujours besoin de nouveaux défis. Je n’ai pas envie de réagir à son annonce.
Es ist immer das gleiche: Wenn ich ihre tolle neue Idee ablehne, wird sie sauer. Wenn ich gleichgültig bleibe, ist sie enttäuscht. Und wenn ich mich ehrlich über ihren Vorschlag freue, glaubt sie mir nicht. Ich nehme mir daher nur einen Müsliriegel, hole ein paar Salatblätter aus dem Kühlschrank und antworte knapp:
„Ich gehe kurz raus, die Schildkröte füttern. Danach kannst du mir ja von deiner tollen Lösung erzählen.“
Mit dem Buch in der Hand gehe ich in den Garten. Das Wetter ist wunderbar heute. 22°C, sonnig, leichter Wind. Es wird ein heißer Tag werden, richtiges Badewetter. Die Schildkröte interessiert mich nicht wirklich, aber als Vorwand ist sie nicht unpraktisch. Mein Handy habe ich dummerweise auf dem Küchentisch liegen lassen, ich ärgere mich. Ich möchte nicht sofort wieder umkehren, Mama soll warten. Aber Paula hätte ich trotzdem gern eine SMS geschickt. Wann treffen wir uns? Egal. Ich bin endlich allein. Die Schildkröte frisst den Salat, die gute Tat des Tages.
Mon livre sous le bras, je vais dans le jardin. Il fait un temps magnifique aujourd’hui. 22°C, du soleil, un léger vent. La journée va être sûrement très chaude, un temps idéal pour la baignade. La tortue ne m’intéresse pas, mais elle est assez pratique comme prétexte. Comme une imbécile, j’ai laissé mon portable sur la table de la cuisine, ça m’énerve. Je n’ai pas envie d’y retourner, je préfère que maman attende. J’aurais pourtant bien aimé envoyer un sms à Paula. Quand est-ce que je vais la voir ? Tant pis. Je suis seule, enfin. La tortue mange la salade, c’est ma bonne action de la journée.
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